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Tipps für Angehörige; Wenn die Depression abklingt
Die Depression zieht sich zurück, dem Betroffenen geht es besser: Ende gut, alles gut? Nicht unbedingt, zumindest nicht sofort, denn der Weg aus einer schweren Depression kann steinig sein.
Foto: pixelquelle.de
Eine mittelschwere oder schwere Depression reißt viele aus ihrem Alltag heraus. Sie werden über längere Zeit krankgeschrieben, ein wochen- oder gar monatelanger Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik ist häufig unumgänglich.
Umso schwerer fällt es Betroffenen wieder im Leben Tritt zu fassen, wenn es mit Stimmung und Aktivität aufwärts geht. Die Unsicherheit ist groß: Schaffe ich den Haushalt? Wie halte ich berufliche Belastungssituationen aus? Komme ich mit der Verantwortung für meine Kinder zurecht? Tatsächlich stehen die Chancen gut, sich nach dem Abklingen der Depression, wieder im Alltag zurechtzufinden und ganz die oder der Alte zu werden.
Keine Überforderung – Tag strukturieren
Der Wiedereinstieg in das normale Leben muss häufig vorsichtig gestaltet werden. Wenn einen nach dem Klinikaufenthalt zu Hause das Chaos empfängt, wenn sofort wieder 100-prozentige Leistung verlangt wird, besteht die Gefahr der Überforderung. Die Familie kann hier beispielsweise helfen, indem sie die Mutter oder den Vater mit einem wohnlichen, aufgeräumten Zuhause empfängt.
Sinnvoll ist es, den Tagesablauf gemeinsam mit den Angehörigen zu strukturieren. Wer ist wann zu Hause? Wann ist Zeit für die Einkäufe? Wer geht mit und hilft? Dabei sollten genug Pausen zum Abschalten eingeplant werden.
Auch das Erleben oder Durchführen angenehmer Aktivitäten wirkt sich positiv auf die Stimmung. [weiter...]
Schritt für Schritt ins Leben
Bei den meisten Menschen mit Depression hat sich ein schrittweiser Einstieg in den Alltag bewährt. Bei allein lebenden Patienten, bietet sich vielleicht an, dass ein Freund direkt nach dem Krankenhausaufenthalt mit in der Wohnung wohnt. Damit lassen sich die ersten, besonders schwierigen Tage besser überstehen. Viele können oder möchten sich am Anfang nicht gleich in ihren Freundeskreis zurückbegeben. Was werden sie denken? Wie werden sie reagieren? Hier könnte eine Liste angelegt werden, wann wer angerufen werden soll.
Selbst das Durchgehen der Post, die sich angehäuft hat, kann ein Problem darstellen. Angehörige oder Freunde können den Betroffenen hier unterstützen, indem sie beim Öffnen der Post anwesend sind und evtl. raten, nicht alle Post auf einmal zu öffnen.
Unsicherheitsfaktor Beruf
Viele muten sich anfangs zu viel zu. Angehörige sollten mit dem Betroffenen über einen schrittweisen Einstieg in den Beruf sprechen. Dies bedeutet, dass – in Absprache mit dem Arbeitgeber – der Betroffene zunächst zwei Stunden oder einen halben Tag arbeitet, um sich dann innerhalb von beispielsweise zwei bis vier Wochen an das normale Arbeitspensum "heranzuarbeiten". Tätigkeiten, die besondere Unsicherheit auslösen könnten, wie z. B. schwierige Kundentermine, sollten vielleicht besser für einen späteren Zeitpunkt eingeplant werden.
Hilfe bei der Lösung von Konflikten
Im Vergleich zu psychisch unbelasteten Menschen haben Erkrankte eher wenige Freunde und Bekannte, die ihnen bei emotionalen Problemen oder anderen Krisensituationen zur Seite stehen könnten. Angehörige und Freunde unterstützen Betroffene, indem sie sich als Ansprechpartner anbieten, auch und gerade für Belastungs- oder Krisensituationen. Am besten, der Betroffene weiß, welche Hilfe er konkret erwarten kann.
Angehörigengruppen
Wenn der Umgang mit einem depressiven Menschen belastet, besteht die
Möglichkeit, das Gespräch mit anderen Angehörigen in einer Angehörigengruppe zu suchen. Die Erfahrung anderer kann Rückhalt bedeuten und Anregungen geben für das Leben mit einem depressiven Angehörigen.
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Quellen:
Hautziger M. Kognitive Verhaltenstherapie bei Depressionen.
Beltz Psychologie VerlagsUnion, Weinheim, 2003.
www.kompetenznetz-depression.de