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Depression und Selbstmordgefahr

Menschen mit Depression laufen mehr als andere Gefahr, sich selbst zu töten. Gerade wenn die Erkrankung sie im Griff hat, benötigen die Menschen dringend Hilfe.

Illustration:  Niedergeschlagene, deprimierte, sitzende Frau

"In der Depression interpretiere ich die Handlungen, die um mich herum passieren als gegen mich gerichtet. Ich sehe alles negativ und pessimistisch. Ich habe ja auch kein Selbstbewusstsein mehr und fühle mich für alles verantwortlich."

Die Depression gehört zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Sie gehören aber auch zu den am meisten unterschätzten Krankheiten. Eine große Gefahr stellt dabei das Risiko eines Selbstmords dar. Bei rechtzeitiger Behandlung durch einen Facharzt kann aber 80 Prozent der Erkrankten geholfen werden und die quälenden Beschwerden und Gedanken, die zu Selbstmordgefühlen führen, können rasch gelindert werden.

Ausweg Selbstmord?

Durch das Denken depressiver Menschen zieht sich der Gedanke, nichts zu können und nichts wert zu sein. Diese Überzeugung fördert Schuld-, Minderwertigkeits- und Unsicherheitsgefühle, die wiederum Ängste und Hoffnungslosigkeit verstärken. Die Betroffenen beginnen dann mit dem Gedanken zu spielen, ihrem Leben ein Ende setzen zu müssen.

Selbstmord ist ein Ausdruck der Erkrankung und keine objektive Lösung eines Problems. Wie ein Beinbruch Schmerzen auslöst, so äußert sich die Depression oft mit Lebensüberdruss und Selbstmordgefahr. Fast alle Patienten sind nach Abklingen der Depression froh, dass man sie aus der bedrohlichen Situation befreit hat. Denn Selbstmord bei Depression ist kein Freitod.

Wie häufig kommen Gedanken an Selbstmord vor?

Selbstmordgedanken treten bei einer schweren Depression häufig auf. Etwa 40 bis 80 Prozent der Patienten leiden während einer depressiven Episode unter Selbstmordgedanken und -phantasien. Bei 20 bis 60 Prozent aller depressiven Patienten finden sich Selbstmordversuche in der Vorgeschichte. Und 10 bis 15 Prozent setzen dann tatsächlich ihrem Leben ein Ende.

Wie erkenne ich, dass mein Angehöriger selbstmordgefährdet ist?

  • Häufige Äußerungen über die eigene Minderwertigkeit, pessimistische Zukunftsgedanken und Lebensüberdruss sind ein Zeichen, dass der Betroffene sich mit dem Thema Selbstmord beschäftigt.
  • Konkrete Selbstmordgedanken, bei denen die Betroffenen planen, wie und wo sie sich selbst töten würden, sind bereits ein Alarmzeichen.
  • Wenn ein an Depression Erkrankter seinen Selbstmord vorbereitet, indem er z. B. einen Balkon betritt, von dem aus er sich hinunterstürzen will, oder wenn er sich eine Waffe kauft, ist es allerhöchste Zeit, den Betroffenen aus dieser Situation herauszuholen.

Bei allen Punkten sollte man sich darüber klar werden, dass höchste Gefahr eines Selbstmordversuchs besteht. Deswegen muss sofort fachliche Hilfe hinzugezogen werden!

Immer ernst nehmen

Selbstmorddrohungen sollten immer ernst genommen werden und nicht als "hysterisch" oder "theatralisch" abgewertet werden. Nur wenn mit dem Lebensmüden aufrichtig über seine Gefühle und Gedanken gesprochen wird und er sich ernst genommen fühlt, kann ihm geholfen werden. Bei ernster Selbstmordgefahr sollte der Betroffene dringend stationär in einer psychiatrischen Fachklinik behandelt werden – wenn es sein muss auch gegen seinen Willen!

Besprechen Sie dieses Thema unbedingt mit dem behandelnden Arzt.

Quellen:
Möller H-J, Laux G, Kapfhammer H-P. Psychiatrie und Psychotherapie, Springer 2000; Link öffnet in neuem Fensterwww.kompetenznetz-depression.de, besucht: 16.02.2007.