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Depressive Verstimmung – gibt es eine "kleine" Depression?

Stimmungsschwankungen und depressive Phasen sind ein natürlicher Teil unseres Lebens. Doch ein Dauerzustand sollte daraus nicht erwachsen.

Wer war noch nie schlecht gelaunt, hat sich mies, vielleicht ein bisschen gereizt gefühlt und war mit sich und der Welt unzufrieden? Wer kennt keine Phasen der Traurigkeit, des Unglücklichseins und der Einsamkeit? Depressive Verstimmungen gehören zu unserem gesunden seelischen "Programm".

Häufige Auslöser

Meist lassen sich Verstimmungen auf konkrete Ereignisse zurückführen: Beispiele sind Trennungssituationen oder zwischenmenschliche Auseinandersetzungen, der Verlust einer geliebten Person, Alltagsereignisse, wie Schwierigkeiten in der Arbeit oder körperliche Belastungen, z. B. Monatsblutung oder Wechseljahre. Auch manche Krankheiten, Alkohol oder Medikamente können eine depressive Verstimmung verursachen.

Seelische und körperliche Beschwerden

Betroffene beklagen häufig einen Mangel an Energie sowie Schwierigkeiten sich zu konzentrieren und Entscheidungen zu treffen. Es herrscht eine negative Sicht auf Ereignisse, das Leben und die Zukunft vor. Typisch sind ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit und eines geringen Selbstwerts.

Verschiedene körperliche Beschwerden können auftreten:

  • Geringer Appetit, manchmal auch übermäßiges Bedürfnis zu essen
  • Schlaflosigkeit, manchmal auch übermäßiges Schlafbedürfnis
  • Andere Beschwerden, z. B. Rückenschmerzen

Die depressive Verstimmung kann mit keiner Blut-, Röntgen- oder sonstigen technischen Untersuchung festgestellt werden, sondern nur im Gespräch mit dem Arzt oder Therapeuten. Halten typische Beschwerden an den meisten Tagen über mindestens zwei Jahre an, sprechen Ärzte von einer chronischen depressiven Verstimmung oder "Dysthymie" – dem "kleinen Bruder" einer "großen" Depression.

Im Unterschied zur schweren Depression sind die Beschwerden bei einer Verstimmung leichter ausgeprägt. Betroffene empfinden z. B. noch Freude, sie fühlen sich zwar beeinträchtigt, sind aber doch leistungs- und entscheidungsfähig und sehen ihre Zukunft nicht vollkommen schwarz.

Was tun?

Löst sich die Verstimmung nicht von alleine auf, etwa nach Klärung einer Trennungssituation, gilt es etwas zu unternehmen. Leider greifen Betroffene oft zu Alkohol, Beruhigungs- oder Schlafmitteln, was auf Dauer weitere Probleme verursacht.

Suchen Sie einen Arzt auf,

  • wenn die depressive Stimmung lange anhält, also über Wochen, Monate oder gar Jahre,
  • wenn die Beschwerden Ihre Leistungsfähigkeit dauerhaft beeinträchtigen.

Dabei lassen sich chronisch-depressive Verstimmungszustände gut behandeln. Bewährt haben sich sowohl die älteren Antidepressiva wie die trizyklischen Antidepressiva und die Monoaminooxidase(MAO)-Hemmer als auch moderne Antidepressiva, zu denen so genannte Serotonin-Wiederaufnahmehemmer zählen.

Auch psychotherapeutische Verfahren können helfen. Sie fördern positiv erlebte Aktivitäten, verändern "falsch" verlaufende Gedankenprozesse und verbessern die soziale Kompetenz. Am wirksamsten dürfte die kombinierte Behandlung aus modernen Antidepressiva und Verhaltenstherapie sein.

Quelle:
Berger M et al. Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer, München 2000
Möller H-J et al. Therapie psychiatrischer Erkrankungen. 2. Auflage, Thieme, Stuttgart 2000