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Alles bloß Baby-Blues? Depression während Schwangerschaft und Wochenbett
Viele Frauen durchleben während und nach ihrer Schwangerschaft ein Auf und Ab der Gefühle. Manchmal kommt es auch zu einer Depression.
Wohl jede Schwangere kennt das Wechselbad der Gefühle im Verlauf der Schwangerschaft: Verliere ich das Baby nicht? Kommt es gesund auf die Welt? Hält die Partnerschaft ein neues Familienmitglied aus? Kann ich für das Kind gut sorgen?
Während einer Schwangerschaft können auch psychische Erkrankungen auftreten, in der Regel genauso häufig wie bei Frauen, die nicht schwanger sind. Dazu zählen u. a. Angsterkrankungen und Depressionen, wobei Depressionen häufiger zu Beginn und am Ende bzw. nach der Schwangerschaft sind als in der Mitte.
Nach einer Schwangerschaft treten etwa bei jeder siebten bis zehnten Frau Depressionen auf. Bei etwa 730.000 Geburten in Deutschland pro Jahr muss man mit etwa 7.300 Frauen rechnen, bei denen sich nach der Geburt eine Depression entwickelt. Diese tritt in der Regel ab dem zweiten/dritten Lebensmonat des Kindes auf - also nicht unmittelbar nach der Geburt - und haben ihren Höhepunkt in der Regel, wenn das Kind etwa ein halbes Jahr alt ist.
Baby-Blues: Kein Grund zur Sorge
Aber nicht jedes Stimmungstief muss gleich eine Depression sein! Mindestens die Hälfte aller jungen Mütter kennt den so genannten Baby-Blues. Die Stimmung ist labil und schwankt dann häufig. Bei geringsten Anlässen kommen die Tränen, sind aber genauso schnell wieder verschwunden. Keine Angst: Solche Stimmungs-Schwankungen sind nach der Geburt völlig normal. Hält der Baby-Blues allerdings länger als eine bis zwei Wochen an, kann besteht die Gefahr, dass sich eine Depression entwickelt. Der Mediziner spricht dann von einer postpartalen Depression.
Stärker gefährdet sind vor allem Mütter, in deren Familie bereits eine Depression vorkam oder die selbst eine Depression durchgemacht haben. Werden junge Mütter gut unterstützt, nicht zuletzt durch den Partner, kann die Entwicklung hin zu einer Depression durchaus aufgehalten werden.
Depression erkennen!
In der Regel tritt bei den betroffenen Müttern eine leichte Form der Depression auf. Sie macht sich langsam bemerkbar, typisch sind stärkere Stimmungsschwankungen, Ängstlichkeit und Weinerlichkeit. Außerdem können Schlafstörungen auftreten – wobei die Nachtruhe der Mutter sowieso häufig durch das Kind gestört ist.
Bei manchen Frauen kommt es zu einer schweren Depression. Wie bei einer Depression, die in anderen Lebensumständen auftritt, können dann Beschwerden wie Traurigkeit, Energiemangel, Interessensminderung und Konzentrationsstörungen auftreten. Die Betreuung des Kinds kann in diesem Fall Schwierigkeiten bereiten.
[Weitere Anzeichen einer Depression]
Was hilft?
Häufig genügt es bei leichten Depressionen, dass andere Menschen – der Partner, die Hebamme, der Arzt, Freunde, Eltern - zuhören und die betroffene Mutter unterstützen, auch bei alltäglichen Tätigkeiten und Problemen. Gegen Stress können Entspannungsübungen helfen, wie autogenes Training, Muskelrelaxation nach Jacobsen oder Yoga.
Bei schwereren Formen der Depression ist häufig eine Behandlung mit Medikamenten sinnvoll, ebenso wie eine Psychotherapie. Eine bestehende Schwangerschaft oder das Stillen des Kindes sprechen nicht generell gegen die Gabe von Antidepressiva, wobei Medikamente nur nach eingehender Prüfung des Nutzens und des möglichen Risikos durch den Arzt eingesetzt werden dürfen. Betroffene Frauen sollten also unbedingt mit ihrem Arzt sprechen und sich speziell beraten lassen. Die Heilungschancen der Depression, auch zu Schwangerschaft und Stillzeit, sind in jedem Fall gut.
Quelle:
Möller H-J, Laux G, Kapfhammer (Hrsg.) Psychiatrie und Psychotherapie. Springer-Verlag Berlin, 2000.
Wisner KL et al. Postpartum depression. N Engl J Med 2002; 347: 194-199.