Inhalt
Erfahrungsberichte
Frau G., 43 Jahre alt
"Müde, immer nur müde."
"Klar, es gab Tage, an denen ich mich glücklich und zufrieden fühlte. Im Urlaub konnte das schon einmal passieren. Aber sonst: Wenn ich die letzten drei Jahre Revue passieren lasse, kann ich diese Tage fast an beiden Händen abzählen. Ich war nie der Typ, der meint, die ganze Welt erobern zu können. Schon als Kind, erzählte mir meine Mutter, zog ich mich gerne zurück und überließ den anderen die Initiative.
Aber erst seit drei Jahren fühle ich mich nicht so, wie ich es mir wünsche und wie ich es von früher kenne.
Mit der Trennung von Peter fing es an
Vor drei Jahren ging gerade meine Beziehung mit Peter in die Brüche. Wir waren seit unserer Schulzeit, also seit 20 Jahren ein Paar. Die Trennung hat mich nicht mehr losgelassen. Immer wieder muss ich daran denken: zu Hause, im Büro, beim Einkaufen. Es dauerte lange, bis ich das erste Mal wieder in der Lage war, meine Wohnung zu verlassen.
Zuerst dachte ich, meine Erschöpfung würde von alleine verschwinden, wenn ich die Trennung überwunden hätte. Dem war aber nicht so. Mir fehlte die Kraft, etwas zu unternehmen, mich unter Leute zu begeben, aktiv meinen Tag zu gestalten. Aufgehoben fühlte ich mich eigentlich nur bei meiner besten Freundin, mit der ich gelegentlich sogar ausging. Das blieb aber die Ausnahme.
Im Büro verstecke ich mich lieber hinter meinem Computer. Als Sekretärin komme ich ganz gut zurecht, zumal ich vor allem Schreibarbeiten zu erledigen habe und mich kaum mit Kunden oder mit meinem Chef auseinander setzen muss. Vor Jahren spielte ich mit dem Gedanken, einen Fremdsprachenkurs zu besuchen, damit ich mich in Zukunft beruflich verbessern könnte. Heute denke ich, dass ich das sowieso nicht schaffen würde. Außerdem würde mich dann trotzdem niemand nehmen.
Und die Zukunft?
Letzte Woche hatte ich ein langes Gespräch mit meiner besten Freundin. Sie meinte, ich sollte doch etwas gegen meine Erschöpfung und meine Kraftlosigkeit unternehmen. Vielleicht könnte ich ja meinen Arzt darauf ansprechen. Ich ließ mir das durch den Kopf gehen. Und bin inzwischen der Ansicht, dass sie Recht hat. Warum nicht? Sie hatte gelesen, dass es Möglichkeiten gibt, anhaltende Verstimmungszustände zu überwinden. Ich werde es versuchen. Morgen gehe ich zu meinem Arzt und meine Freundin begleitet mich dabei."
Foto: pixelquelle.de