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Erfahrungsberichte

Frau B., 17 Jahre alt

"Ich war verzweifelt. Ich wollte nicht Frau sein."

Von Licht und Schatten überzogenes Schwarz-Weiß-Foto einer jungen Frau.

"49 Kilogramm. Oder waren es noch weniger? Mit 14 ging es los. Ich sah die Menschen um mich herum: unförmig, immer auf dem Sprung, nicht bei sich selbst. Auch meine Mutter war total unzufrieden, von früh bis spät in der Küche, im Wäschekeller, im Supermarkt. Der Vater? Fehlanzeige. So wollte ich nicht sein, so konnte ich nicht sein.

Wer war ich eigentlich? Ein Kind, ein Mädchen, das am Rockzipfel der Mutter zerrte, bei dem sich so langsam die ersten Rundungen einer Frau zu erkennen gaben. Nein, ich wollte nicht so sein wie die anderen, vor allem nicht, wie meine Mutter.

Am furchtbarsten waren der Blick in den Spiegel und die Tage, wenn die Tage kamen. Das war ich nicht, das durfte ich nicht sein: Die ersten Pickel, ein zaghaft wachsender Busen, das Blut auf dem Tampon. Frau zu sein, hieß so viel wie so zu werden, wie ich werden sollte, aber nicht wollte. Ohne mich.

Ich lief meinem Körper davon

Es begann scheinbar harmlos: Nein danke, ich mag nicht mehr ... Bitte nicht so viel ... Ich habe heute keinen Hunger ... Kartoffeln schmecken mir nicht ... lieber keinen Zucker ... Irgendwann entdeckte ich, wie mich nach dem Essen der Gang zur Toilette befreite. Etwas nachhelfen - und schon breitete sich das quälend-angenehme Gefühl der Leere aus.

Laufen, laufen, laufen - bis zur völligen Erschöpfung. Ich lief meinem Körper davon, lief meiner Mutter davon, lief meinen Kilos davon, lief vor Menschen davon, die behaupteten, mir helfen zu wollen. Doch niemand konnte mir helfen.

Wie von einem Ring umklammert

Heute weiß ich, dass es mir in dieser Zeit wirklich nicht gut ging. Nicht nur die ständige Sucht nach dem Nichts, nach dem befreienden Erbrechen quälte mich. Ich fühlte mich auch wie von einem Ring umklammert, niedergedrückt und todtraurig. Nichts machte mir mehr Spaß, ich vergrämte Freunde und zog mich in mein Schneckenhaus zurück. Dabei trieb mich eine Unruhe, die von innen herausströmte, zur Verzweiflung. Das ging so weit, dass ich mich sogar umbringen wollte.

Inzwischen sind einige Jahre vergangen. Ich schaffte es dann doch, Hilfe anzunehmen, um meine Magersucht zu überwinden. Was ich zunächst nicht wahrhaben wollte war, dass ich gleichzeitig auch unter Depressionen litt; so kam eines zum anderen. Mit vielen Gesprächen, einer intensiven Zeit in meiner Therapiegruppe und der Unterstützung durch Medikamente habe ich es schließlich geschafft, den Teufelskreis zu durchbrechen."

Foto: pixelquelle.de